Alex Flemming - Ping-Pong WM London 2017

Ganz ohne krampfhafte Regeländerungen!

Zum vierten Mal durfte ich an der World Championship of Ping Pong teilnehmen. Nach einer Finalteilnahme und dem dritten Platz im Vorjahr hatte ich natürlich den Traum, den Medaillensatz komplett zu machen. Zwischen Traum und Ziel lagen allerdings Unterschiede. Das Ziel war zum einen das Erreichen des Viertelfinals und zum anderen eine Sache, die wohl für mein Spiel und meine Form beim Clickball die Wichtigste ist: Spaß haben.

Jeder will auf dem Center Court aufschlagen

Bereits am Mittwoch reiste ich nach London in mein 5qm großes Zimmer (natürlich dasselbe wie im letzten Jahr mit Blick auf den Alexandra Palace - man ist ja abergläubisch!), um mit dem zweimaligen Weltmeister Andrew Baggaley zu trainieren und am Donnerstag ein Masters Turnier für ehemalige und aktuelle Teilnehmer der WM zu spielen. Mit einer Niederlage gegen Paul McCreery in der Gruppenphase, der auch am Samstag in der Gruppe auf mich warten sollte, und dem Halbfinalaus bekam meine gute Laune einen Dämpfer. Allerdings ließ dadurch der Druck der eigenen Erwartungshaltung nach. Außerdem schadet ja eine verpatzte Generalprobe nur selten. In den heiligen Hallen des Alexandra Palace wirbelt die Atmosphäre sowieso die Tagesform jedes Spielers kräftig durcheinander. Einige Spieler verkrampfen plötzlich und können nicht annähernd ihr Niveau abrufen, andere saugen die Stimmung auf und können ihre Spielqualität auf diesem Weg erhöhen. Ein Glück, dass ich zu den Letzteren gehöre. Egal, wie oft man bereits an der WM teilgenommen hat, der Alexandra Palace, der auf einer Anhöhe über London thront, verursacht immer wieder Gänsehaut. Betritt man die West Hall, in der auch die PDC-Darts-Weltmeisterschaft ausgetragen wird, und sieht den unnachahmlich aufbereiteten Center Court, verspürt jeder Teilnehmer den Wunsch, dort aufzuschlagen.

Die professionelle Durchführung und das lukrative Preisgeld sorgen dafür, dass das Niveau des Turniers von Jahr zu Jahr steigt. Konnte man sich in den Vorjahren noch sicher sein, ein paar Spieler sicher in Schach halten zu können, hat sich dies nun geändert. Jedes Gruppenspiel erfordert Konzentration und Vorsicht. Der Niveausprung hat außerdem eine weitere Erklärung: Ping Pong ist in China angekommen. Das Reich der Mitte hat bereits ein Qualifikationssystem, in dem mehrere tausend Personen teilnehmen. Neben den Plätzen, die bei den chinesischen Meisterschaften vergeben werden, sicherten sich die Chinesen vier der sieben WM-Plätze im Last Chance-Turnier am Mittwoch. Im Ally Pally konnten diese dann geschlossen die Gruppenphase überstehen. Mit dem Erfolg scheint auch das Interesse zu wachsen, denn seit Jahren halten sich Gerüchte und Spekulationen, dass das Event mittelfristig in China stattfinden soll. Barry Hearn, der Sportpromoter schlechthin, und Matchroom Sports halten sich mit Aussagen dazu allerdings bedeckt.

Mit guter Vorbereitung und Fingerlingen ins Rennen

Auch ich selbst habe mich besser als in den Vorjahren vorbereitet. Über vier Wochen liefen Tischtennis- und Clickball-Training parallel, weitere zwei Wochen dienten der reinen WM-Vorbereitung. Dabei habe ich mit so vielen verschiedenen Trainingspartnern wie möglich gespielt, um auf alle Spielsysteme vorbereitet zu sein. Ergänzt wurden diese Sessions durch Balleimertraining, um die Grundsicherheit in sämtliche Schläge zu bekommen. Insbesondere hatte ich bis zum Vorjahr enorme Schwierigkeiten mit meiner Rückhand, die ich dadurch abstellen konnte. Zwar ist sie noch immer mein Schwachpunkt, aber zum Glück hat man ja auch noch Beine, um sie zu umlaufen. Nach wenigen Trainingseinheiten mussten auch die Fingerlinge wieder als Schutz der Fingerkuppen vor dem Sandpapier bestellt werden. Das beste Ping-Pong-Training ist und bleibt aber der Wettkampf.

Traditionell konnte ich mich von Spiel zu Spiel steigern. Der Gruppensieg inklusive eines deutschen Duells gegen Kevin Meierhof führten mich in das Hauptfeld. In der K.o.-Runde drehte ich gegen Dmitry Bobrov, Richard „The Philippine National Defense“ Gonzales und Lubomir Pistej jeweils einen 0:1-Satzrückstand, um in das Finale einzuziehen. Dort erlag ich den Strapazen des Tages und der Fitness meines Gegners Weihao Yan aus China. Nach gewonnenem ersten Satz waren meine Beine, die immer wieder verkrampften, einfach nicht mehr schnell genug, um mit der Vorhand genug Druck auszuüben. Selbst die unermüdlichen Anfeuerungen und Gesänge meiner deutschen, irischen und niederländischen Freunde konnten mich meine Schwächephase nicht überwinden lassen. Damit kommt der neue Weltmeister aus China und wird sicher der dortigen Euphorie weiteren Rückenwind verleihen.

Egal wo, ich bin da!

Egal, wo die WM in Zukunft sein wird, ich werde da sein. Ich würde Tischtennis nicht für Clickball aufgeben, aber beide Sportarten haben ihre Reize, dürfen aber nicht bis ins kleinste Detail miteinander verglichen werden. Ich hatte das Glück, zwei Wochen zuvor das Final Four in Ulm mit dem TV Hilpoltstein spielen zu dürfen und damit Highlights jeder Sportart in kurzer Zeit miteinander vergleichen zu können. Tischtennis ist sicher in sportlicher Hinsicht noch professioneller als Clickball, das sich aber mit großen Schritten von der weit verbreiteten Meinung, dass es eine Spaßveranstaltung sei, entfernt. Intensive Vorbereitung und Fitness sind auch hier notwendig, um sich für die WM zu qualifizieren, geschweige denn in der Weltspitze zu etablieren. In medialer Hinsicht hat die World Championship of Ping Pong allerdings keinen großen Anlauf nehmen müssen, große Fernsehsender für sich zu gewinnen und damit Tischtennis etwas vorauszuhaben - ganz ohne krampfhafte Regeländerungen!

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oben: Halbfinale Alexander Flemming - Lubomir Pistej  /  unten: Impressionen, Training, Spielszenen, Interviews

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